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Die Geschichte des Absinths

Eine kleine Geschichte des Absinths

Die Geschichte des Absinths lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen.

Ursprünglich waren es mit Wermut versetzte Weine und Tinkturen, die vor allem im medizinischen Bereich Anwendung fanden. Pythagoras beschreibt einen solchen Wein als probates Mittel zur Geburtshilfe, Plinius der Ältere als Jugendelixier und Mittel gegen Mundgeruch, Galen als Medizin bei Magenbeschwerden.

Das Wissen ging auch im Mittelalter nicht verloren, so empfiehlt Hildegard von Bingen etwa Wermutwein auch als Entwurmungsmittel. Regional konnten solche Getränke höchst unterschiedlich ausfallen, gemeinsam war ihnen die erhoffte Heilwirkung. Im London des 16. Jahrhunderts dagegen lässt sich erstmals die Herstellung von wermuthaltigen Weinen als nicht medizinische Getränke belegen. Schon ein Jahrhundert später beschreibt Samuel Pepys in seinen Tagebüchern Purl als ein vor allem in der Arbeiterklasse überaus populäres Wermutbier.

Das Getränk, das wir heute allgemein als Absinth bezeichnen, geht auf eine lokale Rezeptur aus dem Jura, dem Grenzgebiet zwischen Frankreich und der Schweiz, zurück. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist der Genuss eines mit Wermut versetzten Weins in dieser Region, speziell im Val de Travers, historisch belegt. Legenden wonach der Absinth vom französischen Arzt Pierre Ordinaire, der im damals preußischen Fürstentum Neuenburg, dem heutigen Kanton Neuchatel, praktizierte erfunden wurde, sind aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Auch die oft erwähnte Familie Henriod aus Couvet hat den Absinth wohl nicht erfunden, ihre Familienrezeptur scheint jedoch maßgeblich den Geschmack des Getränks das wir heute kennen beeinflusst zu haben.

Belegen lässt sich die erste industrielle Herstellung eines Absinths in Couvet im Jahr 1797. Major Dubied, ein Franzose der regelmäßig zur Sommerfrische im Val de Travers war, erwarb eine Rezeptur der Familie Henriod und gründete zusammen mit seinem Sohn und seinem späteren Schwiegersohn, dem ortsansässigen Henri-Louis Pernod eine kleine Brennerei in Couvet. Als sich zeigte, dass der größte Teil des produzierten Absinths nach Frankreich verkauft wurde, gründete Pernod 1805 ein zweite, weit größere Brennerei im nahe gelegenen Pontarlier auf der französischen Seite der Grenze, womit er die Problematik der Zollformalitäten umging.

Der Siegeszug des Absinthes in Frankreich begann damit, dass es Pernod gelang, der französischen Armee Absinth als Medizin gegen Magen- und Darmkrankheiten, Malaria sowie zur allgemeinen Stimmungsaufhellung zu verkaufen.

Im Algerienkrieg, der seit 1830 geführt wurde, erhielt somit jeder Soldat seine tägliche Absinthration. Dies bedeutete einen gewaltigen Schub in der Absinthproduktion, in ganz Frankreich wurden neue Distillerien gegründet. Die heimkehrenden Soldaten waren ihren täglichen Absinth gewohnt, auch in Frankreich stieg die Nachfrage sprunghaft an. So steigerte beispielsweise die Firma Pernod ihren Ausstoß von ursprünglich 16 Litern auf 20000 Liter täglich. Um 1860 war Absinth in Frankreich gesellschaftsfähig, in vielen Bars und Cafes war ein Glas Absinth zur grünen Stunde, also zum Feierabend gegen 17°°, ein festes Ritual.

Nachdem es aufgrund einer Reblaus-Epidemie in Frankreich um das Jahr 1870 zu einer enormen Verteuerung der Weinpreise gekommen war, setzte sich Absinth mehr und mehr als oft preisgünstigere Alternative durch. Er war ein erschwingliches Vergnügen für jedermann in einer von soziale Unruhen und oft unerträglichen Lebensverhältnissen geprägten Zeit.

Zur damaligen Zeit gab es wie heute auch hochwertige teure und weniger hochwertige Absinthe die entsprechend billiger waren. Eine Lebensmittelüberwachung im heutigen Sinn existierte nicht, so wurde oft minderwertiger Industriealkohol mit Wermut versetzt und in Kneipen und Cafes als Absinth verkauft. Da man zu dieser Zeit so gut wie keine Erfahrung mit künstlich hergestelltem Alkohol hatte (bis zur industriellen Revolution wurden Spirituosen generell mit natürlichem Weinalkohol hergestellt), kamen vereinzelt auch Getränke in den Ausschank die extrem gesundheitsgefährdende Wirkungen hatten. Bis heute hält sich aus dieser Zeit hartnäckig das Gerücht, Absinth mache blind und verrückt, welches natürlich von konkurrierenden Wein- und Spirituosenherstellern eifrig verbreitet wurde. In den folgenden Jahren kam es zu erbitterten Diffamierungskampagnen der wieder erstarkten Weinindustrie, anhand von Versuchen mit Meerschweinchen wurde etwa `bewiesen´, dass Absinth zu Geisteskrankheiten führe (Absintismus war ein anerkanntes Krankheitsbild!), in Folge der Dreyfuss-Affäre wurde Absinth vereinzelt gar als artfremdes, `jüdisches´ Getränk gebrandmarkt.

Dennoch stieg der Absinthkonsum unaufhörlich. Pernod exportierte Absinth in die ganze Welt, New Orleans wurde zu einem Zentrum des Absinthkonsums, selbst in Ländern wie Brasilien und Japan wurde Absinth produziert.

In Frankreich genoss Absinth inzwischen den Ruf eines Getränks der Intellektuellen und Künstler, es wurde chic ihn mithilfe spezieller Absinthlöffel zu süßen, das Pariser Nachtleben war ohne Absinth kaum mehr vorstellbar.

Ein Mordfall in der Schweiz im Jahr 1905 brachte schließlich die Wende.

Ein Arbeiter, der als schwerer Alkoholiker bekannt war, tötete, nachdem er mehrere Liter Wein, Branntwein sowie 2 Gläser Absinth getrunken hatte, in einem Wutanfall seine schwangere Frau und seine beiden Töchter. Diese Tat wurde in der europäischen Presse ausführlich behandelt und sehr bald stand es außer Frage, dass es nur am Absinth gelegen haben könne.

Belgien verbot als Reaktion auf diese Tat noch im selben Jahr den Absinth, in der Schweiz kam es zu einer Volksinitiative, aufgrund derer 1910 das Absinthverbot sogar in die Verfassung aufgenommen wurde. In der Folge kam es auch in anderen Ländern zu einem Verbot von Absinth, so zum Beispiel 1906 in Brasilien, 1909 in den Niederlanden und 1912 in den USA, hier maßgeblich auf Betreiben der konkurrierenden Whiskeyindustrie.

Dennoch gelang es den Absinthgegnern zunächst nicht ein Verbot im wichtigsten Herstellerland Frankreich durchzusetzen. Erst mit dem Beginn des 1. Weltkriegs 1914 konnte das Absinthverbot mit Verweis auf die nötige Wehrfähigkeit des französischen Volkes durchgesetzt werden.

In vielen anderen europäischen Ländern wie etwa England oder Spanien stand ein Verbot niemals zur Debatte. Selbst in Deutschland blieb Absinth lange erlaubt um dann schließlich in den Wirren der frühen Weimarer Republik 1923 zusammen mit Kokain verboten zu werden.

Dennoch war die goldene Zeit des Absinths nach dem Wegfall der wichtigsten Produktionsländer spätestens mit dem Ende des 1. Weltkriegs vorbei. Einige Hersteller, so auch Pernod, verlagerten Produktionsstätten ins Ausland, hier vor allem nach Spanien, andere stellten die Produktion auf andere legale Spirituosen um. In Frankreich wurde Pastis zum beliebten Ersatzgetränk.

Eine weitere Folge des Verbots war, dass nun plötzlich Länder wie die Tschechoslowakei in den Kreis der wichtigen Absinthproduzenten aufstiegen.
Die traditionellen mit Wermut versetzten Kräuterbitter der Region bereichern seitdem die Welt der Absinthe um eine ganz eigene, landestypische Geschmacksnote.

In den Jahren des Verbots wurde Absinth mehr und mehr zu einem mystischen Getränk, die Diffamierungskampagnen der Absinthgegner blieben im Gedächtnis haften.

Absinth stand im Ruf, die extrem gefährliche und süchtig machende Droge zu sein als die man sie im 19. Jahrhundert von manchen Seiten wohl gerne gesehen hätte. Die wenigen bekennenden zeitgenössischen Absinthkonsumenten wie etwa Ernest Hemingway oder Alistair Crowley trugen mit Sicherheit auch einen guten Teil dazu bei.

Nachdem in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Absinth in der breiten Öffentlichkeit schon fast vergessen war, kam es Anfang der 90er Jahre zu einer überraschenden Wende. Da Spanien EU-Mitglied wurde und die Produktion von Absinth im eigenen Land nicht verbieten wollte, musste eine europäische Regelung gefunden werden. Man einigte sich auf eine Wiederzulassung von Absinthen mit einem Höchstwert von 10mg Thujon pro Liter, dieser Wert resultierte aus einer drastischen Reduzierung von zugrunde gelegten Messwerten aus dem 19.Jahrhundert. Heute kann man davon ausgehen, dass diese Messwerte wohl höchst fehlerhaft waren. Es gab damals sicherlich wie angenommen Absinthe mit 100 und mehr Milligramm Thujon pro Liter, gleichzeitig aber auch sehr niederthujonige Absinthe. Die meisten der mit modernen Methoden analysierten alten Absinthe bewegten sich nach heutigen Erkenntnissen im Bereich zwischen 20 und 30mg.

Bei der aktuellen Gesetzgebung wurde nicht berücksichtigt, dass es sich bei Absinthen, unabhängig vom Geschmack, aufgrund des Wermutanteils immer auch um eine Bitterspirituose handelt. Für Bitterspirituosen gilt aber ein erlaubter Thujonhöchstwert von 35mg pro Liter. Dieser Trick erlaubt den europäischen Herstellern heute wieder Absinthe zu produzieren, die den alten Produkten sehr nahe kommen.

In den meisten europäischen Ländern wurden diese Gesetze in den späten 90er Jahren umgesetzt, in Deutschland beispielsweise 1998, die Schweiz folgte als eines der letzten Länder erst 2005.

In vielen anderen Ländern wie zum Beispiel den USA, wo das strikte Absinthverbot 2007 gelockert wurde, sind nach wie vor nur 10mg Thujon möglich.

Inzwischen werden in ganz Europa wieder starke und hochwertige Absinthe hergestellt, zum Teil nach Originalrezepten von Brennereien die diese in den letzten 100 Jahren aufbewahrt hatten.

Zyklus der Apokalypse 1373-82, Der Wermut
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Brennerei von Major Dubied in Couvet Fotografie aus dem Jahr 1908
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A l´Esplanade des Invalides Alphonse Loustaunau, 1889-1890
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Postkarte von T. Bianco
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Schweizer Postkarte, um 1910
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